Seit 50 Jahren sind die Helmstadter Musikanten auf den Bühnen unterwegs und bereichern nicht nur die Feste in der Umgebung Helmstadts.
In den siebziger Jahren als Jugendblaskapelle des Gesangvereins gegründet, reihten sich schon bald die Auftritte aneinander und es schloss sich ein musikalischer Erfolg nach dem Anderen an. Aus der Jugendblaskapelle, die überwiegend auf Stiftungsfesten und Einweihungsfeiern spielte, entwickelte sich ein Tanz- und Stimmungskapelle, die weit über die Region hinaus bekannt wurde und Ihr Können auch in Amerika zum Besten gab.
Auch heute noch sind die Helmstadter Musikanten auf den Festen in und um Helmstadt nicht wegzudenken.

Der Markt Helmstadt hat eine weit zurückreichende musikalische Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg bestanden bereits zwei Musikgruppen, von denen eine jedoch schon kurz nach Kriegsende aufgelöst wurde. Die zweite Kapelle bestand bis zum Anfang der 60er Jahre. Seit dieser Zeit war immer wieder der Ruf nach einer neuen Blaskapelle zu hören.
Gründung der Kapelle

Musikanten mit Werner Rauch, Festzug 1955
Aus diesem Grund besuchten 1973 einige musikfreudige Buben, die vom staatlichen Musikkonservatorium Würzburg veranstalteten Musikstunden in der Volksschule Helmstadt. Klaus, Albert und Gerhard Rappelt, Armin und Isidor Baunach, Abros Wander, Elmar Fiederling, Dietmar Kempf und Andreas Zeißner wurden an den Instrumenten ausgebildet. Nach einiger Zeit, als bereits fortgeschrittene Musikschüler, übernahmen sie zwar die musikalische Gestaltung von kirchlichen Feierlichkeiten wie Fronleichnams- und Flurprozessionen, doch war damit noch keine Musikkapelle entstanden.

Musikanten beim Bischofsbesuch 1970
Der Ehrendirigent des Gesangvereins Melomania (Werner Rauch) war es, der die Jugendblaskapelle Melomania Helmstadt gründete und auch deren Leitung übernahm. Voraussetzung dafür war die finanzielle Unterstützung durch den Hauptverein, der diese auch zusagte. Mit dessen Hilfe wurden alsbald Noten und ein Schlagzeug gekauft und die wöchentlichen Proben eingeführt. Anfangs noch im alten Schulgebäude, fanden diese später im Gasthaus Krone statt. Helmstadt war nun wieder musikalisch versorgt.
Die Kapelle machte große Fortschritte und erlebte am 26. Dezember 1973 ihren ersten Auftritt beim traditionellen jährlichen Weihnachtsabend des Gesangvereins. Es folgten viele Auftritte und in dieser Gründungsphase traten Mitglieder aus, es kamen aber auch neue Musikanten hinzu, der Erfolg der Gruppe litt darunter aber in keiner Weise.
Werner Rauch hört auf
Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Vater der Kapelle, Werner Rauch, diese nicht mehr leiten. Er gab den Dirigentenstab an Chorleiter des Gesangvereins, Ludwig Baunach, ab. Baunach nahm seine neue Aufgabe sehr ernst und führte die Musikanten zu immer größeren Erfolgen. Weil aber der Gesangverein ebenfalls sehr populär war, konnte er die Leitung der Bläser nicht mehr fortführen, blieb dem Ensemble aber als Saxophonist erhalten.

Weißer Sonntag 1973, 1. Reihe v.l. Guido Gabel, Gerhard Rappelt, Armin Baunach, Ludwig Baunach, 2. Reihe Klaus Rappelt, Egon Rappelt, Werner Rauch, 3. Reihe Josef Wander, Rudolf Göb, Erwin Bopp
In einer außerordentlichen Versammlung des Gesangvereins Melomania, am 27. Mai 1979, wurde der bisherige erste Flügelhornist Armin Baunach zum neuen Dirigenten bestimmt. Es hätte kaum einen feierlicheren Anlass für die Einführung des neuen und die ehrenvolle Verabschiedung der scheidenden Dirigenten und des Gründers geben können als das große Helmstädter Musikfest anlässlich des 5-jährigen Bestehens der Blaskapelle.
Mit einem großen musikalischen Reigen fand das Fest ab dem 15. September 1979 statt. Viele Kapellen aus der Umgebung spielten beim Festkonzert auf. Nach den gelungenen Auftritten übernahm die Jugendblaskapelle Melomania Helmstadt die weitere Unterhaltung. Als Höhepunkt des Musikfestes wurde Werner Rauch für seine Verdienste um die Kapelle gebührend geehrt. Ebenfalls große Anerkennung erfuhr Rudolf Kemmer, Vorstand des Gesangvereins, der gleichzeitig das Management der Kapelle innehatte.
Um den Kauf einer Gesangs- und Verstärkeranlage zu finanzieren, wurde während des Musikfestes ein Beatabend abgehalten. Das Musikfest war bereits ein voller Erfolg, der Beatabend mit der Gruppe „Kleeblatt Century“ brach jedoch alle Rekorde. Mehr als 1.000 Gäste waren in der Welsbachhalle nach Holzkirchhausen gekommen. Durch die musikalischen Leistungen der Kapelle, den Beatabend und den unermüdlichen Einsatz der Sänger und Sängerinnen des Gesangvereins war es möglich, eine professionelle Musikanlage beim Würzburger Musikhaus Deußer zu kaufen.
Im offiziellen Gründungsjahr 1979 folgten noch viele weitere Konzerte, Musikfeste und Ständchen.
In der Zahl der Auftritte reihte sich 1980 nahtlos an das Gründungsjahr an. Die Musiker begleiteten aber auch eine Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen wie die Maibaumaufstellung, den Jahresgottesdienst des Hauptvereins, Kirchenparaden und Stiftungsfeste. Ein breites Echo in der Presse fand der Liederabend des Männergesangvereins Melomania, der musikalisch von der Blaskapelle umrahmt wurde. Der Erlös dieser Veranstaltung wurde an karitativ geführte Kinderdörfer in Unterfranken gespendet.
Einen herben Schlag mussten Musikkapelle und Gesangverein hinnehmen, als Werner Rauch am 23. Juni 1980 im Alter von nur 53 Jahren, nach schwerem Leiden verstarb. Bewegende Dankes- und Abschiedsworte fand Rudolf Kemmer für den jahrelangen Dirigenten des Männergesangvereins und Kapellmeister des Orchesters. Der Himmel weinte, als dieses verdiente Mitglied zu Grabe getragen wurde. Bei strömenden Regen geleitete die Kapelle den Trauerzug durch den Friedhof zum offenen Grab, wo sich zunächst der Gesangverein mit einem Liedvortrag und anschließend die Musikkapelle mit dem Choral „Wo findet die Seele Heimat, die Ruh?“ von ihrem Gründer verabschiedete.

Musikanten bei einem ihrer ersten Auftritte 1975
Die Eigenständigkeit folgt
1981 bestand die Kapelle inzwischen aus 15 Stammspielern sowie einigen Aushilfskräften. Mit Ursula Wander war nun sogar eine Sängerin bei den Auftritten dabei. Bei ihren rund 20 Auftritten leisteten die Musiker etwa 90 gespielte Stunden im Jahr. Hauptsächlich bei Musik- und Stiftungsfesten im näheren und weiteren Umkreis, aber auch bei der Einweihung des Feuerwehrgerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Helmstadt. Dorthin wurden dann auch die künftigen Probenaktivitäten verlagert. Das eingespielte Geld aus den Auftritten wurde in weitere Lautsprecher, Mikrofone und Teile für die Orgel und Musikanlage investiert.
Kapelle und Auftritte erweiterten sich zusehends. 1982 verzeichnet das Protokollbuch 24 Engagements an 26 Tagen und inzwischen 19 Mitglieder. Die Einnahmen hieraus wurden für die weitere Verbesserung der Ausrüstung sowie für organisatorische Zwecke investiert. Die Musikanlage wurde erweitert und ein Schlagzeug angeschafft. Ab sofort spielten die Musiker in Wildbock-Lederhosen, deren Kosten allerdings von jedem privat getragen wurden. Mit ihren Auftritten auf dem Volksfest in Schweinfurt und in der Spessartgemeinde Schollbrunn erweiterte die Gruppe Ihren Bekanntheitsgrad.
Die musikalischen und wirtschaftlichen Erfolge der Kapelle wuchsen stetig. 1983 folgten 29 Engagements und die Einnahmen waren fast doppelt so hoch wie noch im Vorjahr. Das gab erneut die Möglichkeit die technische Ausstattung zu erweitern. Die Musikanlage wurde um ein Mischpult und eine Endstufe erweitert. Leider schied Ursula Wander als Sängerin aus der Gruppe aus. Dennoch vergrößerte sich die Zahl der Mitglieder, weil bisherige Aushilfsspieler zu Stammspielern wurden. Die Liste der Musikbeiträge wurde nicht nur länger, die Auftritte wurden auch anspruchsvoller und so lagen die musikalischen Höhepunkte bei der Frühjahrsmesse in Würzburg, der Kirchweih in Herzogenaurach und einer Schallplattenaufnahme. Auf dieser sendeten unsere Helmstädter, neben 20 weiteren Kapellen, musikalische Grüße aus dem Landkreis Würzburg. Die wachsenden Engagements machten die Helmstadter Musiker als Stimmungskapelle in Helmstadt aber auch besonders in der Umgebung bekannt.

Holzkirchhausen 1984
Die Musikanten waren eine Unterabteilung des Gesangvereins Melomania, wurden allerdings zunehmend eigenständiger. In der Jahressitzung des Vereins, wurden daher gemeinsam mit der Musikkapelle deren Funktionen und Status festgelegt und die Besitzverhältnisse geregelt. Seit diesem Zeitpunkt regelt die Kapelle ihre laufenden Angelegenheiten selbständig, ist selbst für Termin- und Preisverhandlungen zuständig und führt eine eigene Kasse. Eine Trennung vom Hauptverein bedeutete das aber keineswegs. Der Verein verpflichtete sich zur Förderung, beachtet dabei aber die Interessen und Eigenständigkeit.
Die Erfolgslinie der Kapelle kannte in diesen Jahren nur eine Richtung und die Tanz- und Stimmungskapelle etablierte sich immer stärker. Inzwischen war bereits eine Jugendblaskapelle gegründet, die ebenfalls von Armin Baunach geleitet wurde. Die Erlöse aus den 34 Auftritten im Jahr 1984 wurden fleißig weiter investiert. Ein guter Klang, starke teils kostümierte Auftritte und stets großes Lob für die gezeigten Leistungen machten die Musiker zu einem Garanten für gelungene Musikabende. Auf den Werbeplakaten waren die Jungs in ihren Trachtenlederhosen zu sehen und auch der neue Name wurde beworben: Helmstadter Musikanten.

1. Helmstadter Musikfest 1984
Passend zu dieser Namensänderung wurde vom 15. – 18. Juni 1984, mit großer Unterstützung des Gesangvereins, das erste Helmstadter Musikfest abgehalten. Nach dem Beatabend mit der Gruppe „Kleeblatt“ herrschte von 1:45 Uhr bis 3:00 Uhr morgens noch Festbetrieb. Auch der zweite Tag war stimmungsgeladen und endete erst um 2:15 Uhr. An diesem Bayerischen Bierabend spielten die Aalbachtaler Musikanten aus Uettingen auf. Die letzten beiden Festtage gehörten den Gastkapellen und örtlichen Vereinen, sowie am Montag den Senioren, Kindern und Betriebsbelegschaften. An diesem Festmontag gestaltete, mit Jugendchor und Jugendblaskapelle, der Nachwuchs des Vereins die musikalischen Einlagen. Dabei hatten die jungen Musiker des neugegründeten Ensembles ihren ersten öffentlichen Auftritt.
von Mannheim bis zur Oberpfalz
Als Höhepunkte in den achtziger Jahren kann man wohl die Jahre 1985 und 1986 bezeichnen. Die Mitglieder blieben konstant und mit knapp 50 Auftritten pro Jahr war die Kapelle sehr gut gebucht. Krönende Auftritte in diesen Jahren waren sicherlich das Weinfest in Nordheim, wo mit ca. 8.000 Gästen das bisher größte Publikum auf die Musikkapelle wartete. Neue Verträge für das kommende Jahr waren bereits geschlossen. Mit Ihren Gastauftritten unterhielten die Helmstadter Musikanten weiterhin enge Verbindungen zu den umliegenden Musikkapellen der Region, insbesondere zu den Aalbachtaler Musikanten. Dabei wurde auch die ein oder andere Lobeshymne auf die Helmstädter gesungen.
Die steigenden Einnahmen machten es erforderlich, dass die Struktur des Orchesters neu bewertet werden musste. Dadurch musste 1986 eine wichtige Entscheidung getroffen werden. Die Helmstadter Musikanten wurden in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts überführt, was die formelle Ausgliederung aus dem Gesangverein Melomania zur Folge hatte. An dieser Stelle sei ausdrücklich betont, dass dies ausschließlich aus steuerlichen Gründen erfolgte und zu jederzeit mit den Verantwortlichen des Hauptvereins besprochen und beschlossen wurde. Auch der Unterstützung des Gesangvereins konnten sich die Musiker stets sicher sein.
Auch im darauffolgenden Jahr konnten man an die guten Leistungen anknüpfen. Besonders erfreulich dabei war, dass in diesem Jahr nicht nur in der näheren Umgebung gespielt, sondern auch weiter entfernte Termine wahrgenommen wurden. 53-mal standen die Helmstädter auf der Bühne und präsentierten dabei ihr Können, wie auch in Nördlingen bei Mannheim und Eichendorf bei Straubing. Auch in der Presse wurden die Helmstadter Musikanten stets als großartige Stimmungskapelle erwähnt, die weit über die Region bekannt ist.
Auch abseits der Bühnen pflegten die Musiker die gute Unterhaltung und so kam auch das private Vergnügen nicht zu kurz. Durch gemeinsame Urlaubsfahrten wie den Skiausflug 1988 ins Salzburger Land nach Flachau. Ausgelassen verlebte man gemeinsam vier herrliche Tage. Mit wechselnden Teilnehmern wurde diese Skifahrt in den kommenden Jahren ein beständiges Ereignis der Gruppe.
Zusammenhalt und Probendisziplin wirkten sich auch positiv auf die musikalische Leistung der Kapelle aus und so war 1988 eine erneute Steigerung zu verzeichnen. Wieder konnten sie weit außerhalb der Heimat ihr Können unter Beweis stellen. Dabei sind besonders hervorzuheben teils mehrtägige Termine in Darching in Oberbayern, Eichendorff bei Neumarkt in der Oberpfalz und erneut in Mannheim. Dabei hatten bereits vier der Veranstalter konkrete Vertragsangebote für 1990 vorgelegt. 1988 stand aber auch im Zeichen eines starken Personalwechsels. Kassierer Johannes Bauer, wie auch der Schriftführer Albert Rappelt wollten ihre Ämter niederlegen. Helmut Mucha konnte aus beruflichen Gründen nicht mehr mit den Kollegen musizieren und auch der bisherige Dirigent Armin Baunach erwog, der Kapelle nicht mehr als Leiter zur Verfügung zu stehen.
ein letzter Dirigentenwechsel
1989 konnte nicht an die erfolgreichen Jahre davor anknüpfen und auch die musikalische Leistung war in diesem Jahr sehr durchwachsen. Möglicherweise lag dies am starken Engagement in diesem und der vergangenen Jahre. Immerhin wurden 330 Stunden gefahren und 186 Stunden musiziert. Vielleicht lag es auch an der unklaren Personalsituation. Viele Aushilfsmusiker aus Uettingen, Trennfeld und Böttigheim unterstützen aber die Helmstadter Musikanten bei ihren trotzdem zahlreichen Terminen. Neben 32 Konzerten wurde auch an vielen religiösen und kulturellen Veranstaltungen gespielt.

Gruppenbild Ende der achtziger Jahre
Die Leistung der Kapelle blieb auf konstant hohem Niveau und die Anzahl der Musikauftritte war weiterhin gut. Die Besuche in Mannheim hatten sich etabliert und waren inzwischen fest im Kalender eingetragen. Auch in Homburg und Abtswind wollte man die Helmstädter hören und sogar bis nach Amerika reichte der gute Ruf. Die Helmstadter Musikanten machten sich also auf zu ihrer ersten Amerika-Reise. Vom 02. - 28. Oktober 1990 bereisten sie die Vereinigten Staaten und brachten die Stimmungsvolle Blasmusik nach Los Angeles und Portland. Der Zuspruch war so groß, dass man mit Auftrittsmöglichkeiten für die kommenden Jahre rechnen konnte. Eine weitere Anfrage ging dann bereits im Januar 1991 ein. Durch die Austritte in den vergangenen Jahren, bestand die Kapelle aktuell noch aus 15 Stammmusikern.
Das Jahr begann mit einem Paukenschlag. Armin Baunach gab in der Versammlung am 28. Februar 1991 seinen Rücktritt bekannt und war von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr Dirigent der Blaskapelle. Klaus Rappelt übernahm kurzfristig das Dirigat. Durch diese neue Situation entstand eine anfängliche Unsicherheit bei den Auftritten. Die routinierten Musiker stabilisierten sich jedoch und erlangten schon bald wieder die gewohnte Sicherheit. Mit dem neuen Mitglied Thomas Gillig war gerade im Schlagersektor eine Steigerung zu erfahren. Mit Klaus Brand an Saxofon und Klarinette konnte ein weiteres Mitglied gewonnen werden. Um den Nachwuchs zu stärken und die Nachwuchsarbeit voranzutreiben, beschloss man, Mitglieder aus der Jugendkapelle in die Proben einzubeziehen. Wegen der Umstrukturierungen konnte die Anfrage zu einem erneuten 7-tägigen US-Aufenthalt in diesem Jahr nicht angenommen werden, war aber für das kommende Jahr optional.
Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war, ohne Zweifel, das Stiftungsfest zum hundertjährigen Bestehen des Gesangvereins Melomania. Der Festauftakt erfolgte am 08. Mai, mit der Supergruppe „Number Nine“, die das Zelt bis auf den letzten Platz füllte. Am darauffolgenden Donnerstag zogen der Jubelverein und die Gastvereine, unter Begleitung der fränkischen Herolde, durch das geschmückte Dorf ins Festzelt ein. Ein Bunter Abend mit dem „Struwwelpeter Sextett“ sorgte ebenfalls wieder für ein volles Haus und auch der zweite Rockabend mit der Spitzengruppe „Lanzer” war erneut ausverkauft. Am Samstagabend hatten sich zirka 20 Gastvereine zum Chorsingen eingestellt. Der anschließende Festbetrieb wurde von den Helmstadter Musikanten musikalisch begleitet. Ein weiterer Höhepunkt des Festest war am Sonntagmorgen der Weckruf der Musikanten. Anschließend zog man mit Marschmusik und Gesang ums Dorf. Der Sonntag war geprägt vom großen Festgottesdienst, der Kirchenparade und dem Festumzug. Den weiteren Festverlauf gestalteten die Böttigheimer Musikanten und der “Aalbachtal Express”. Der Montag gehörte zunächst den Kindern und den Senioren, später dann den Betriebsbelegschaften. Insgesamt war das 100-jährige Stiftungsfest den Erwartungen mehr als gerecht geworden, sowohl gesellschaftlich wie finanziell ein riesengroßer Erfolg und Maßstab für die kommenden Stiftungsfeste.

Garanten für gute Stimmung
Die gewohnte Sicherheit bei den Auftritten war im Laufe des Jahres wieder in die Kapelle zurückgekehrt. Eine musikalische Steigerung war von Termin zu Termin deutlich spürbar. Während der abgelaufenen Jahre 1992 und 1993, konnten dank des großen Einsatzes und der guten Beziehungen von Klaus Rappelt zu den Aalbachtalern, viele neue Stücke gelernt und insbesondere im Schlagerbereich große Fortschritte gemacht werden. Neue Termine kamen bisher noch schleppend, aufgrund des Neubeginns war dies jedoch zu erwarten. Allerdings konnte die Kapelle mit Sabine Gabel, Sonja und Andreas Track auch wieder Neuzugänge verzeichnen.
bahnt sich ein Ende an?
1994 spielten die Helmstädter auf dem Charivari-Fest in Thüngersheim und wurden somit auch im regionalen Radiosender vorgestellt. Da war es naheliegend ein Demoband auf Kassette aufzunehmen, welches gleichzeitig den Probelauf für eine spätere CD bedeutete. Dass die Stücke doch nicht so leicht waren wie anfangs gedacht, zeigte sich im Aufnahmestudio bei Willi Thoma in Uettingen. Auch das exakte „im Takt“ Spielen kostete mehr Zeit als ursprünglich geplant war. Weil jede Stimme einzeln aufgenommen wurde, dauerte es etwa 1,5 Stunden pro Stimme. Trotz aller Anstrengungen war der Spaß aber sehr groß, insbesondere bei den beiden Sängern Klaus Rappelt und Elmar Fiederling.

Klaus Rappelt und Elmar Fiederling im Aufnahmestudio
In diesem Jahr konnte auch ein weiterer Amerika-Trip angetreten werden. Eine 12-köpfige Delegation machte sich auf, die Helmstadter Musikanten in den USA zu vertreten.
Im Jahr darauf wurden etwa ¾ der Einnahmen für anfallende Reparaturen und Neuanschaffungen aufgewendet. Mikrofone und Kabel wurden angeschafft und auch der „Tourbus“, liebevoll Kemal getauft, musste immer häufiger repariert werden, bis er dann doch endgültig den Geist aufgab. Das bedeutete eine Investition in „Kemal II“. Dieser war allerdings größer und erleichterte das Ausladen. Später sollte er auch einen Schriftzug „Helmstadter Muskanten“ erhalten. Johannes Klüpfel bereicherte die Kapelle sehr. Er komponierte eigene Lieder oder schrieb immer wieder die Noten von bekannten Hits zusammen.

Geburtstagsständchen für Vorstand Rudolf Kemmer 1994
Vom 15. bis 20. Mai 1996 beging man, neben dem 105-jährigen Bestehen des Hauptvereins, das silberne Jubiläum der Helmstadter Musikanten. mit großem Festbetrieb und zahlreichen Gastkapellen aus Nah und Fern. Gemeinsam wurde der Festwagen eingeholt. Mangels Pferde reihte sich ein LKW in den Paradezug ein. Ehrungen verdienter Mitglieder der Musikanten und des Chores, ein Beatabend mit „Justice“ und das Aufspielen von Gastvereinen sorgten für einen stimmungsvollen Festverlauf. Der obligatorische Weckruf um 06:00 Uhr in der Früh durfte ebenso wenig fehlen, wie ein besonderes Schmankerl. Erstmals wurde Ochs am Spieß aus Helmstädter Züchtung angeboten. Die 700 Portionen waren in Kürze vergriffen.
Ein wahrer Musikmarathon stand im Juli bevor. Los ging es am Samstag, den 06. Juli zum Tag der offenen Tür bei “Richter und Frenzel”. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Firma, umrahmten die Helmstadter Musikanten die Jubiläumsfeier musikalisch. Die Pause nutzten die Musiker, um in der Zwischenzeit in Lengfurt beim Feuerwehrfest aufzuspielen. Anschließend folgte die Fortsetzung beim Betriebsjubiläum. Trotz der Spieldauer von etwa 20 Stunden in zwei Tagen, hielten sich die Musiker tapfer. Mit 9 ½ Stunden stand auch die längste Fahrt zum internationalen Musikfest nach Hamburg bevor. Dort spielte die Kapelle mit weiteren Gruppen aus Dänemark und Schweden.
Trotz aller Erfolge plagten auch die Helmstadter Musikanten die Nachwuchssorgen. Man zerbrach sich die Köpfe, wie denn junge Musiker zu gewinnen wären. Ideen über Anzeigen in Tageszeitungen und Ähnlichem wurden verworfen. Aus Zeitgründen konnte die Ausbildung auch nicht von den eigenen Musikern übernommen werden. Man besann sich auf die eigenen Wurzeln und prüfte, ob der Blasmusikunterricht nicht im Rahmen des regulären Unterrichts angeboten werden könnte. Wie früher sollte dies durch die Musikschule erfolgen.
Leider nahm auch die Anzahl der Auftritt im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich ab. Davon waren auch der Standardtermin in Mannheim, der in diesem Jahr zum 10. Mal stattfinden würde, aber auch das traditionelle Weihnachtskonzert mit dem Gesangverein betroffen.
1998 trat Thomas Gillig zum Jahresende aus der Kapelle aus. Die moderne Musik und Schlager waren ohne Gitarre nur sehr schwer möglich und man musste in Betracht ziehen, die Musikrichtung zu ändern. Um dem Anspruch des Publikums gerecht zu werden, wurde dieser Gedanke jedoch verworfen.
Das Ende der Helmstater Musikanten in der bisherigen Form bahnte sich 1999 an. Aufgrund mangelnder Auftrittstermine wurde erneut darüber nachgedacht, den Musikbetrieb ab 2001 einzustellen.
Noch kein Ende in Sicht
Im letzten Jahr der Helmstadter Musikanten als Konzertkapelle wurden noch einmal 11 vollbezahlte Termine und 3 Musikfeste gespielt. Musikalisch gesehen war es eines der besten Jahre der jüngeren Vergangenheit. Möglichkeiten den musikalischen Abschied gebührend zu feiern, gab es somit reichlich. Seit wenigen Jahren spielten die Helmstadter Musikanten beim Männerballet-Turnier, so auch 2000, bei großartiger Stimmung in der übervollen Welsbachhalle. In diesem Jahr standen auch zahlreiche Stiftungsfeste an. Die Musiker spielten beim Faschingsclub und den TV-Helmstadt und auch das Sängerfest in Neubrunn wurde von den Helmstädtern musikalisch umrahmt. Erstmals traten sie auch, sehr erfolgreich, auf dem Backhäuslefest in Eisingen auf. Bei einem fulminanten Musikmarathon konnten sich die Musikanten in Breuna bei Kassel noch einmal musikalisch auslassen. Bei insgesamt 38 Spielstunden und einer Stimmung, die ihresgleichen sucht. 3 Tage lang herrschte Kirmesgaudi, wie sie die Helmstädter noch nie erlebt hatten. Am Morgen des Festmontags, wurden die Musiker bereits um 8:30 Uhr in 3 Gruppen aufgeteilt um in der zirka 3.000 Seelen zählenden Gemeinde, auf einem Wagen vor jedem Haus, ein Ständchen nach Wunsch zu spielen. Am Abend folgte dann der traditionelle Wickeltanz, wobei der Wickelwalzer 90 Minuten lang ununterbrochen gespielt wurde. Dabei tanzten ca. 30 Pärchen im Takt durch die Straßen von Breuna, wo tänzerisch einige Hindernisse überwunden werden mussten. Die Verpflegung war an diesen 3 Tagen hervorragend und das Bier wurde “meterweise” getrunken. Der Veranstalter bezeichnete die Helmstadter Musikanten als beste Kapelle seit 7 Jahren.

Letzte Amerikareise 2008
In der Generalversammlung am 2. November 2000 folgte dann der endgültige Beschluss, dass die Kapelle nur noch zu kulturellen Anlässen aufspielt. Zur Wahrung der Geselligkeit und dem Aufrechterhalten der musikalischen Qualität wird aber weiterhin wöchentlich geprobt. Die, nach 1990 und 1994, 3. Amerikareise der Helmstadter Musikanten, vom 09. – 30. September 2008 war ein krönender Abschluss einer langen Tradition!
Wir freuen uns, im Rahmen dieser Zeitleiste, die Erfolge unserer Helmstadter Musikanten noch einmal Revue passieren zu lassen und so auf eine wirklich großartige Leistung zurückblicken zu dürfen. Wir bedanken uns, für die nicht nur musikalische Unterstützung, die wir durch die Blaskapelle in der Gemeinde Helmstadt erfahren durften. Ohne die Blasmusik an Festen und Festtagen würde dem Ort ein immens wichtiges kulturelles Gut fehlen.






