Rund 200 Teilnehmer bei der musikalischen Wanderung des Gesangvereins Melomania
Zu einer historischen Liederwanderung hatte der Gesangverein Melomania eingeladen. Ungefähr 200 Gäste nahmen an dem musikalischen Spaziergang teil, der zu drei kulturhistorischen Denkmälern der Gemeinde führte.
Neben dem Musikgenuss erfuhren die Wanderer von „Polizeidiener" Bernd Schätzlein so allerlei Geschichtlich-Amüsantes zu den einzelnen Stationen.
Die Melomania-Chöre trugen unter Leitung von Johannes Klüpfel an jedem Denkmal ein zum Thema passendes Gesangsstück vor. Als Gastchöre traten auf die Liederkrone Neubrunn (Leitung: Gerhard Barthel), der MGV Uettingen (Leitung: Willi Thoma) sowie der Liederkranz Waldbrunn (Leitung: Johannes Unsinn).
Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden Albert Rappelt an der TV-Turnhalle und Liedvorträgen der „Femina Melomania" und des Melomania-Männerchors wanderte die Gruppe zur ersten Station,
dem Denkmal „Pfeifer-Hannes" am Rathausplatz. Hier trug der Männerchor ein Spielmannslied vor und die Liederkrone Neubrunn erfreute mit fröhlichen, sonnigen Liedern wie „Leben ist mehr" und „Lieder bringen Sonnenschein".
Bernd Schätzlein erläuterte den geschichtlichen Hintergrund der Gedenkstätte: Dargestellt wird der in Helmstadt geborene Hans Böhm, der als „Pfeifer von Niklashausen" bekannt wurde. Der Hirte und Musikant, der nach einer Marienerscheinung 1476 zum Prediger avancierte und Gleichheit aller Menschen sowie die Abschaffung aller weltlichen und geistlichen Herrschaft verkündete, wurde am 19. Juli 1476 in Würzburg bei einem Schauprozess hingerichtet. Das Denkmal wurde 2007 errichtet.
Die zweite Station war das Denkmal am Ortseingang, welches 1909 als Erinnerung an die Verwundung von Prinz Ludwig, des späteren Königs Ludwig III. von Bayern, errichtet wurde. Der Sohn von Prinzregent Luitpold war 1866 im „Bruderkrieg" zwischen Preußen und Österreich, dem Bayern als Verbündeter beistand, als Ordonanzoffizier (Nachrichtenoffizier) bei der bayerischen Armee tätig. Am 25. Juli 1866 wurde er bei einer Schacht bei Helmstadt von einer preußischen Kugel in den Oberschenkel getroffen und schwer verwundet. Die Kugel konnte nie aus dem Bein entfernt werden. Enthüllung des Denkmals war am 3. Oktober 1909 unter Anwesenheit von Prinz Ludwig. An dieser historischen Stätte trug der Melomania-Männerchor den „Jägerchor" aus dem Freischütz vor. Die Vorträge des Liederkranzes Waldbrunn reichten von der festlichen „Ode an die Freude" bis zum beschwingten „Down by the riverside".
Letzte Station war der Kiesbrunnen, der gerade renoviert wurde. Schon 1589 wurde dieser Brunnen als „Brunnen bei der Linden" erwähnt, da damals auf dem Platz eine Linde stand. Mit einem Grundwasserspiegel von 13 Metern ist er der tiefste der 17 Brunnen Helmstadts. 1704 wurde der Brunnen als „Radbrunnen" bezeichnet, da er vermutlich ein Schwungrad mit Übersetzung besaß. 1819 wurde er zu einem Pumpbrunnen umgebaut. Anlässlich der Straßensanierung wurde der Brunnen 2002 wiederentdeckt. Die Sanierung wurde aus den Erlösen des Denkmalsfests der Helmstadter Vereine im Jahr 2009 finanziert.
Passend zum Thema sang die „Femina Melomania" am Kiesbrunnen das Lied „Wenn alle Brünnlein fließen". Der MGV Uettingen trug Lieder vor wie „Bild dir nichts ein" und „Freunde fürs Leben".
Musikalisch umrahmt von den Helmstadter Musikanten wurde der Ausklang der Liederwanderung in der TV-Turnhalle.






